Dokumentation zur Fachtagung 2016

"Seniorenbüros schaffen Zugänge - Teilhabe ermöglichen in einer vielfältigen Gesellschaft"

Die 21. BaS-Jahresfachtagung "Seniorenbüros schaffen Zugänge - Teilhabe ermöglichen in einer vielfältigen Gesellschaft" fand vom 21. bis 22. November 2016 im Bürgerzentrum in Köln-Nippes statt.

Gesamtmoderation der Tagung: Ramona Geßler, Fachhochschule Münster

Fotos: Markus Bollen PHOTOGRAPHY und Derk van Groningen aus Cloppenburg

Montag, 21. November 2016

ERÖFFNUNG UND BEGRÜßUNG

Nach der Eröffnung durch den BaS-Vorsitzenden, Franz-Ludwig Blömker, begrüßt die Moderatorin Ramona Geßler die Anwesenden und übergibt das Wort an Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen und im Anschluss an Prof. Dr. Harald Rau, den Sozialdezernenten der Stadt Köln.

Barbara Steffens forderte, auch im Alter müsse die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zur Normalität werden. Doch wenn es z.B. auf dem Land und in manchen Stadtvierteln weniger Läden und kaum mehr Buslinien gebe, werde diese Teilhabe für Ältere schwer gemacht. Seniorenbüros seien wichtige Stellen für eine wohnortnahe Quartiersentwicklung. „Mit ihrer Vernetzungsarbeit leisten Seniorenbüros einen wichtigen Beitrag zu mehr Miteinander in der Gesellschaft", sagte sie. Solche Stellen brauche es flächendeckend. Die Unterstützung des Landes NRW für die Landesarbeitsgemeinschaft NRW sei daher gut investiert. Sie appellierte an die Anwesenden, laut zu werden und deutliche Botschaften an die Politik zu senden.

Als Schwabe in Köln sei er ein lebendes Beispiel für Vielfalt, scherzte der Kölner Sozialdezernent, Prof. Dr. Harald Rau. Derzeit falle vielen Menschen die Orientierung in einer sich stetig wandelnden Welt schwer. In dieser Situation sei die Arbeit in kleinräumigen Netzwerken besonders wichtig: Alles, was die Quartiere stark mache, mache die Gesellschaft stark.

Wenn ältere Menschen sich in solchen Netzwerken aktiv einbringen können, trage dies wesentlich zu ihrer Lebensqualität bei. Gleichzeitig gebe es künftig mehr Menschen, die Unterstützung brauchen. Die Seniorenbüros erfüllten in beider Hinsicht eine wichtige Funktion, so der Vertreter der Stadt Köln.

EINFÜHRUNGSVORTRAG "Die Reifeprüfung der Zivilgesellschaft - Eine neue Teilhabedebatte in der vielfältigen Demokratie"

Dr. Konrad Hummel, Beauftragter des Oberbürgermeisters für die Konversion, Stadt Mannheim

Bürgerschaftliches Engagement spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, soziale Teilhabe zu ermöglichen – auch in Seniorenbüros. Es kann nicht nur ein zentraler Beitrag zur „Selbstermächtigung“ sein, sondern ist zugleich ein Ausdruck gelebter Solidarität mit Anderen. Wie gelingt dies auch unter den Bedingungen einer sich zunehmend ausdifferenzierenden Gesellschaft?

FACHFOREN

In vier parallel stattfindenden Foren widmeten sich die Teilnehmenden wichtigen Aspekten und Dimensionen von gesellschaftlicher Diversität.

Forum 1 "Zugänge für vielfältige Gruppen im Alter schaffen"

Neue Konzepte beleben Projektideen und motivieren die Seniorenbüros, sich für neue Gruppen stärker zu öffnen. Dazu gehören ältere Menschen mit Migrationsgeschichte und gleichgeschlechtliche Frauen und Männer im Alter. Das Forum beschäftigte sich vorrangig mit Praxisansätzen für diese Zielgruppen.

Moderation
Reinhard Pohlmann, Fachdienst für Seniorenarbeit Stadt Dortmund

Inputs
Martina Houben, Seniorenbüros Bochum-Nord
Peter Fischer, Seniorenbüro Dortmund-Eving

Forum 2 "Vielfalt der Seniorenbüros erkennen"

Die Seniorenbüros in Deutschland sind inhaltlich und strukturell unterschiedlich aufgestellt mit einer Vielfalt von Themen, Konzepten und Ressourcen. In diesem Forum wurden speziell auch die Belange ehrenamtlich geführter Seniorenbüros aufgegriffen. Die Beiträge der Teilnehmenden wurden mit der Methode der kollegialen Beratung bearbeitet.

Moderation
Elfriede Küttinger und Waltraud Möhrlein, BaS-Vorstand

Forum 3 "Engagement für und mit Geflüchteten entdecken"

Viele Seniorenbüros engagieren sich bereits für Geflüchtete. Dabei gibt es eine Vielfalt unterschiedlicher Ansätze. Die BaS beteiligt sich mit dem Projket "Alt für Jung-Patenschaften - Seniorenbüros unterstützen Geflüchtete" an dem bundesweiten Programm "Menschen stärken Menschen". Das Forum machte die bisherigen Erfahrungen in diesem Themenfeld zugänglich.

Moderation
Ursula Woltering, Stadt Ahlen
Erik Rahn, 4k Projekte Berlin

Impulse
Isil Yildirim, Ceno Köln
Elsbeth Rütten, Ambulante Versorgungsbrücken Bremen

Forum 4 "Teilhabe und Vielfalt im Quartier entwickeln"

Seniorenbüros sind mit vielfältigen Aktivitäten im Stadtteil oder in der Nachbarschaft unterwegs. Aber Hochaltrige und Menschen mit Einschränkungen oder mit geringem Einkommen lassen sich oft nur schwer ansprechen. Das Forum ging der Frage nach, welche Zugangswege auch solchen schwer erreichbaren Zielgruppen die Mitwirkung ermöglichen.

Als Praxisbeispiel wurde der Film "Gutes Leben Rixdorfer Straße" gezeigt, in dem Bewohnerinnen einer Straße in Köln-Mülheim ihre Nachbarinnen und Nachbarn nach ihren Wünschen und Verbesserungsvorschlägen fragen. Die Filmemacherin Lisa Glahn berichtete aus der Arbeit zu diesem Stadtteilprojekt.
http://myview-video.de

Moderation
Stefanie Adler und Agnes Boeßner, Referentinnen der BaS

GALLERY WALK - SENIORENBÜROS PRÄSENTIEREN IHRE VIELFALT

Themenpatinnen und -paten zeigten gute bestehende Praxis aus den Seniorenbüros und diskutierten diese mit den Teilnehmenden.

DIENSTAG, 22. November 2016

GRUßWORT

Miriam Junker-Ojo, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Frau Junker-Ojo war an diesem Dienstag Vormittag leider kurzfristig verhindert, hat uns aber dennoch ihr Grußwort in schriflticher Form zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Grußwort von Miriam Junker-Ojo

IMPULSVORTRAG "In einer Welt der Vielfalt leben - Herausforderungen im demografischen Wandel gemeinsam meistern"

Franz Müntefering, Bundesminister a.D., Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen

Franz Müntefering erheiterte die Anwesenden mit dem Hinweis darauf, dass er ja mit der BAGSO eine gesellschaftliche Gruppe vertrete, die jedes Jahr automatisch größer werde. Die Auswirkungen des demografischen Wandels – wir werden älter, weniger, bunter – seien zwar langsam, aber deutlich spürbar.

Angesichts der globalen Probleme sei die demografische Entwicklung in Deutschland nichts, wovor man Angst haben brauche, so Müntefering. Mehr noch als Generationengerechtigkeit brauche es aber gesellschaftliche Gerechtigkeit. Dazu gehöre es nicht nur, andern zu helfen, sondern auch, sich selbst helfen zu lassen. Jeder Mensch sei von Geburt an auf andere angewiesen, machte Müntefering deutlich, und auch das Ende des Lebens gehöre dazu.

Müntefering rief dazu auf, sich nach seinen Möglichkeiten ein Leben lang gesellschaftlich zu engagieren. So lange man einen klaren Kopf habe, sei jeder Mensch für die Gesellschaft, in der er lebe, mit verantwortlich.

IMPULSVORTRAG "Befunde des 7. Altenberichts zur sozialen Ungleichheit und Handlungsempfehlungen"

Prof. Dr. Rolf G. Heinze, Ruhr-Universität Bochum und Mitglied der 7. Altenberichtskommission der Bundesregierung

Die Altenberichtserstattung der Bundesregierung zeigt aktuell, dass sich unterschiedliche soziale, ethnische und Bildungshintergründe im Alter verstärkt auswirken. So können sich Ungleichheiten im höhren Lebensalter vertiefen und Zugänge zu Engagement und Teilhabe erschweren.

FISH-BOWL-DISKUSSION "Gesellschaftliche Vielfalt und Konsequenzen für die Arbeit vor Ort"

Teilnehmer

  • Prof. Dr. Rolf G. Heinze, Ruhr-Universität Bochum und Mitglieder der 7. Altenberichtskommission der Bundesregierung
  • Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland
  • Hans-Josef Vogel, Bürgermeister der Stadt Arnsberg

Vielfalt sei manchmal anstrengend, aber lohnend, so schilderte Aiman Mazyek seine Erfahrungen als Sohn eines Syrers und einer Deutschen. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland plädierte dafür, in Menschen unterschiedlicher Herkunft eine gegenseitige Bereicherung zu sehen. So seien beispielsweise einige Flüchtlinge, die anfangs von Paten begleitet wurden, inzwischen selbst Mentoren für Neuankommende geworden.

Die Kommune könne Vielfalt als Bereicherung fördern, meinte Hans-Josef Vogel, Bürgermeister der Stadt Arnsberg. So könne die Stadtverwaltung Bürgerinnen und Bürger aus verschiedenen Gruppen um Vorschläge zu bestimmten Fragen bitten und diese Vorschläge dann umsetzen. Kommunen müssten älteren Menschen die Möglichkeit geben, ihre nachberufliche Lebensphase selbstbestimmt zu gestalten und deren Engagement öffentlich machen. Dies trage dazu bei, der Ausgrenzung älterer Menschen entgegenzuwirken.

Auf kommunaler Ebene könne viel getan werden, bestätigte Dr. Rof Heinze, der in Stadtentwicklungsprojekten die Interessen unterschiedlicher Gruppen untersucht. Er warb für die Idee von ressortübergreifenden Quartiersfonds, um Mittel dort einsetzen zu können, wo der Bedarf bekannt sei. Die kommunale Altenhilfe als Pflichtaufgabe zu fordern, habe sich allerdings in der Diskussion um den 7. Altenbericht angesichts der finanziellen Lage nicht durchsetzen können.

Einige Gäste aus dem Publikum wiesen darauf hin, dass die Vielfalt von vielen Kommunen und Seniorenbüros – gerade in Quartieren mit hohem Migrationsanteil – bereits sehr positiv gelebt wird. Zivilgesellschaftliche Akteure bräuchten aber auch die notwendige finanzielle Unterstützung für ihr gesellschaftliches Engagement.

AUSBLICK IM GESPRÄCH

Sabine Hantzko, stellv. BaS-Vorsitzende
Gabriella Hinn, BaS-Geschäftsführerin

Mit einem Dankeschön an alle Teilnehmenden und Aktiven verabschieden sich Gabriella Hinn und Sabine Hantzko und kündigen die Fachtagung für das kommende Jahr an, die am 20./21. November in Osnabrück stattfinden wird.

         Seniorenbüro
 Tat und Rat e.V. Bonn        

Gründer des Seniorenbüros erhält Bundesverdienstkreuz

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Die Broschüre zum Jubiläum

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